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Polyamide und Zwischenprodukte

Mechanisches Recycling von Polyamiden in Mehrschichtfolien

Polyamide in Mehrschichtfolien werden zurzeit als nicht recycelbar klassifiziert.

Diese Klassifizierung ist unserer Ansicht nach nicht korrekt, da schon seit längerer Zeit folgende Fakten bekannt sind:

  1. Geringe Konzentrationen (< 10 %) an Polyamiden sind mit Polyolefinen mischbar.
  2. Höhere Konzentrationen (> 10 %) an Polyamiden können unter Einsatz ausreichender Modifikatoren und unter angemessenen  Verarbeitungsbedingungen mit Polyolefinen kompatibilisiert werden. 

Mechanisches Recycling von PE/PA-Mehrschichtfolien aus Polyamiden ist möglich! In unserem englischsprachigen Webinar stellen wir Ihnen unsere Testreihen und Ergebnisse im Detail vor. Das Webinar findet am Donnerstag, 28. Januar, um 10.00 Uhr statt.

Danke für Ihre Teilnahme an unserem Webinar zum Mechanischen Recycling von Polyamiden in Mehrschichtfolien am 2. Dezember. Die gezeigte Präsentation finden Sie hier: 

Warum ist dieses Thema so wichtig?

Durch den ausschließlichen Fokus auf hochmoderne Technologien für mechanisches Recycling geraten die Vorteile von Polyamiden für leistungsstarke und flexible Lebensmittelverpackungen etwas in den Hintergrund. Bestimmte Kriterien, wie beispielsweise die Reduzierung von Kunststoffen, geringere Materialdicken und die längere Haltbarkeit verpackter Lebensmittel, werden nicht angemessen berücksichtigt. Dabei spielen diese Kriterien eine wichtige Rolle, wenn es um die Versorgung einer kontinuierlich wachsenden Weltbevölkerung mit Lebensmitteln sowie um die Reduzierung von Verpackungsabfällen und Lebensmittelverschwendung geht.

Die Vorteile von polyamidhaltigen Verpackungen werden vor dem Hintergrund ihrer Wiederverwertbarkeit außer Acht gelassen.

Unser Versuchsaufbau im Detail:

1. Definition und Herstellung von Mehrschichtfolien aus Polyethylen (PE) und Polyamid (PA) mit einem Maximalgehalt von 30 % an nukleiertem PA6 (Ultramid® B40LN). Einige der ursprünglichen Strukturen enthielten bereits weiterverarbeitete Phasenvermittler.

2. Regranulierung der Folien mithilfe eines standardmäßigen Einschneckenextruders von NGR.

3. Analyse der Morphologie des Regranulats

4. Herstellung von Einschichtfolien (40 μm) im halbtechnischen Maßstab durch Verwendung von regranuliertem Material sowie unter Zugabe von PE-Regranulaten und/oder Phasenvermittlung während des Herstellungsprozesses. Dieser Schritt beinhaltet außerdem einen sogenannten Verdünnungsansatz, um bestimmte Grenzen bei der Vermischung zu quantifizieren.

5. Analyse der mechanischen und optischen Eigenschaften der Einschichtfolien.

6. Einsatz von Regranulaten bei der Herstellung von Mehrschichtfolien, unter Berücksichtigung verschiedener Komponentenzusammensetzungen bei verschiedenen Maschinen.


Der „Folie-zu-Folie-Ansatz“ für gemischte PE/PA-Abfälle ist eine tatsächliche Recyclingoption und umfasst auch die Herstellung „neuer“ Einschichtfolien:

Unsere Versuchsreihen zeigen:

  • PE/PA-Mischungen sind bei einem PA-Anteil von < 10 % ohne Zugabe von Phasenvermittlern recycelbar (mischbar); im Bereich von 5 – 7,5 % wurde eine optimale Verteilung beobachtet.
  • Die Nutzung geeigneter Phasenvermittler ist eine effiziente Methode, um homogene PE/PA-Mischungen mit einer PA-Konzentration von > 10 % herzustellen. Im Rahmen unserer Testreihen konnten PE/PA-Mischungen mit einem PA6-Anteil von bis zu 30 % effizient durch Zugabe von 3 – 5 % an Modifikatoren kompatibilisiert werden.
  • Copolyamide mit niedrigeren Schmelzpunkten (≤ 200°C) und niedrigerem Kristallinitätsgrad sind im Gegensatz zu Standard-PA6 auch bei höherem PA-Anteil im fertigen Blend recycelbar.
  • Die benötigte Menge an Phasenvermittler kann

- bereits in der ursprünglichen Mehrschichtfolie enthalten sein.
- während der Regranulierung im Standard-Einschneckenextruder hinzugegeben werden.
- während des letzten Bearbeitungsschritts der Folienherstellung als Einzelkomponente hinzugefügt werden.

  •  Bei PA6-haltigen PE/PA-Mischungen reicht bei der Regranulierung eine Temperatur von 240°C aus, um eine angemessene Weiterverarbeitung zu gewährleisten. Unter realen Bedingungen enthalten Verpackungsabfälle jedoch auch erhebliche Mengen an Copolyamiden mit niedrigeren Schmelztemperaturen. Die Verarbeitung solcher PA-Mischungen ist bereits ab Temperaturen von 210°C möglich.
  • Einschichtfolien können unter Verwendung von 100 % PE/PA-Regranulatblends hergestellt und Kernschichten aus hochkonzentrierten PE/PA-Regranulaten in Mehrschichtfolien genutzt werden. Dabei werden auch ohne Einsatz eines Doppelschneckenextruders ausreichende mechanische und optische Eigenschaften erzielt.

Bitte nehmen Sie Kontakt mit uns auf, wenn Sie weitere Informationen benötigen oder Fragen haben:

Dr. Rolf-Egbert Grützner

Telefon: +49 621 60-48528
BASF SE, Sales Europe